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Warum antworten sie nicht?

Warum antworten sie nicht?

Eine meiner facebook-Freundinnen berichtete in die Runde, dass sie sich auf einen neuen interessanten Arbeitsplatz beworben und bei dem Bewerbungsgespräch wohl einen guten Eindruck hinterlassen hatte. Man hatte ihr zugesagt, sich in den nächsten Tagen bei ihr zu melden. Für einen Neuanfang bei dieser Firma hätte sie zu einer bestimmten Frist ihren gegenwärtigen Arbeitsvertrag kündigen müssen. Klar, dass sie unruhig wurde, als die versprochene Rückmeldung ausblieb. Sollte sie selbst nachfragen oder weiter warten und sich cool geben?

Coachées von mir bitte ich immer nach Abschluss eines Coachings und nach einem beyourself!-Training mir Feedback zu geben, wie sie ihren angestrebten Erfolg verwirklicht und welche Fortschritte sie durch ihr Investment in sich selbst gemacht haben. Es kommt gar nicht so selten vor, dass das versprochene Feedback ausbleibt.

Häufig höre ich von Coachées, dass sie auf Bewerbungen – sogar, wenn sorgfältig geschriebene Briefe mit schön gestalteten Bewerbungsmappen per Post versandt werden – Antworten der Angeschriebenen ausbleiben. Manche bekommen wenigsten ihre Bewerbungsmappen „mit Dank“ und dem ablehnenden Bescheid zurück. Und auch nicht selten erlebe ich, dass auf Emails, mit denen ich Menschen Informationen oder Unterlagen auf deren Wunsch hin gesendet habe, nicht beantwortet werden – keine Lesebestätigung, kein „Danke“ folgt.
Auf facebook lese ich öfter, dass facebook-Freundschaften enttäuscht beendet werden, weil auf Postings erhoffte Reaktionen ausbleiben.

Was ist das immer Gleiche in all diesen Beispielen?
Menschen wird erwartete Aufmerksamkeit vorenthalten. Ob zu Recht oder nicht: wenn Aufmerksamkeit in Form einer wie auch immer gearteten Reaktion erwartet wird und keine Antwort erfolgt, wird dies von dem Erwartenden irgendwie als Verletzung empfunden. Neuronal, also im Gehirn, wird dieselbe Region (die sogenannte „Insula“) das Schmerzzentrum aktiviert, egal ob der betroffenen Person ein körperlicher Schmerz zugefügt wird oder ob er durch Vorenthaltung von Aufmerksamkeit verletzt wird, die sie subjektiv begründet erwartet. Das Selbstwertgefühl, das existenzielle Bedürfnis wahrgenommen zu werden, wird berührt.

Wer hat nicht schon von Kindern gehört, die aufsässig und aggressiv werden, wenn ihnen zu lange Aufmerksamkeit vorenthalten wird? Alle Menschen benötigen Aufmerksamkeit und der Markt der Aufmerksamkeiten wird mit voller Power bespielt. Neuerdings hören wir immer öfter von Menschen, die kriminell werden, weil sie geradezu süchtig die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und der Medien brauchen.

Wenn ich Menschen, die eine Antwort oder eine Reaktion von mir erwarten, Aufmerksamkeit in Form einer Antwort verweigere, entsteht ein Machtgefälle, eine Disharmonie in der Beziehung. Ein Mangel an gegenseitiger Wertschätzung, die mindestens den einen Teil verletzt.

Natürlich gibt es die verschiedensten Gründe, warum Antworten, Reaktionen, Feedbacks ausbleiben. Die einfachste, häufigste und vielleicht sogar naheliegendste ist Achtlosigkeit der Beziehung gegenüber: keine Zeit, Anderes ist wichtiger, uuups: vergessen! Passiert schon mal.
Oder der Nicht-Antwortende hat kein Interesse. Oder er hat gerade selbst so viel anderes oder Wichtigeres oder Dringlicheres zu tun, dass, das Antworten ausbleibt. Andere Gründe für das Vorenthalten einer Antwort oder der Gewährung von Aufmerksamkeit, auch in Form von Zeit, können ein schlechtes Gewissen oder auch Scham oder eine vage Angst vor einer Antwort sein. Oder sogar ein Ärger, den man nicht gleich in einer Antwort dem anderen hinübersenden möchte.
Manche Menschen haben Angst „Nein“ zu sagen. Andere haben Angst sich einer Auseinandersetzung zu stellen.
Wieder andere benutzen das „Nicht-Reagieren“ als indirekte Absage: ich reagiere nicht mehr, bis der andere endlich kapiert, dass ich mit ihm oder ihr nichts mehr zu tun haben will. Dann wird die vorenthaltene Wertschätzung, die Verweigerung der Aufmerksamkeit als bewusstes Werkzeug eingesetzt.
Wenn ich mich selbst kritisch frage, wo und wann ich nicht geantwortet habe, obschon auf eine Antwort von mir gewartet wurde, dann fallen mir für alle genannten Gründe Beispiele ein.

Problematisch ist die Verweigerung der Aufmerksamkeit natürlich besonders dann, wenn eine gewisse persönliche Beziehung zwischen der Antwort erwartenden und der Antwort verweigernden Person besteht. Hier verursacht oder verstärkt das Aufmerksamkeitsgefälle einen Konflikt. Wer kennt nicht Leute, die sich in einem Streit so beleidigt fühlen, dass sie mit dem anderen Stunden oder gar Tage lang nicht mehr sprechen? Verweigerung von Aufmerksamkeit als Waffe.
Ich habe von Menschen gehört, die als Kinder erlebten, dass ihre Mutter oder Vater sie für „unartig“ sein damit bestraft haben, dass sie ihnen unerträgliche Stunden lang die Zuwendung, die Ansprache, die Aufmerksamkeit verweigerten. So etwas erzeugt große Verunsicherung und Minderwertigkeits-Überzeugungen bei Kindern.

Ob bei einer facebook-Freundschaft, in der die facebook-FreundInnen sich persönlich nicht kennen, als wirklich verletzend empfunden wird, wenn niemand auf Postings reagiert, hängt davon ab, wie viele Erwartungen ein Mensch an die facebook-Ebene hat.
Das ist besonders für Menschen, die vielleicht im „wirklichen“ Leben nicht so viele oder keine Freunde haben, ein echtes Problem. Facebook-Freundschaften haben eine sehr unterschiedliche Bedeutung für Menschen, je nachdem, ob sie mit ihren Freunden im alltäglichen Leben befreundet sind und facebook als eine zusätzliche Kommunikationsquelle nutzen, weil man sich nicht dauernd treffen oder telefonieren kann. Anders ist es, wenn man die facebook-Freunde nicht persönlich kennt. Dann bliebt der „Freund“ und die „Freundin“ eine Imagination in meiner Vorstellung. Ich kann diese Freunde (außer von ein paar Fotos) ja nicht lebendig sehen. Ich sehe das Gesicht der facebook-Freundin nicht, wenn sie meinen Text liest, ich rieche sie nicht, ich sehe ihre Körperhaltung, ihre Mimik nicht. Meine „Spiegelneuronen“, für soziales Verhalten von Menschen besonders wichtige Nerven im Gehirn, die zuständig sind für die Aktivierung von Mitgefühl, werden nicht aktiviert. Das tun sie nur, wenn wir einen Menschen lebendig vor uns sehen, hören und erleben. Die facebook-Freundschaft ist im Vergleich zu einer lebendigen Freundschaft im realen Leben eine „minimale Freundschaft“, in der auch nur ein Minimum an benötigter Aufmerksamkeit emotional befriedigend beantwortet wird.

Natürlich muss man auch unterscheiden zwischen einer beruflichen Situation und einer privaten.
Wenn man sich persönlich bei einem Unternehmen vorgestellt hat und einem eine zeitnahe Antwort versprochen wurde, die dann nicht kommt, ist das meiner Beurteilung nach unprofessionell und zeugt von schlechtem Kommunikationsstil des Unternehmens. Das ist leider sehr verbreitet.
Wer in facebook ein professionelles Angebot macht, weiß, dass es darauf mehr oder weniger Reaktionen und Klicks gibt und ist nicht beleidigt, wenn nicht jede Menge „Gefällt mir-s“ folgen. Man lernt daraus. Basta. Man will ja erst einmal herausfinden, was eigentlich die Aufmerksamkeit und das Interesse der eigenen facebook-Freunde ausmacht, die man erreichen will.

Aber auch professionelle Beziehungen können mehr oder weniger persönlich eingefärbt sein. Ist die persönliche Verbindung zwischen Dienstleister und Klient stärker ausgeprägt, so ist auch das Ausbleiben von Aufmerksamkeit berührender.

In meinen Kommunikationsseminaren, die ich an verschiedenen deutschen Universitäten gebe, behandele ich das Thema „Aufmerksamkeit“ mit: Aufmerksamkeit. Ich empfehle, alle wirklich wichtigen Dinge, die auch die Beziehungsebene betreffen, in einer realen Begegnung zu besprechen, möglichst nicht in Emails oder über WhatsApp, wobei so viele Missverständnisse und Fehlinterpretationen entstehen.
Und ich empfehle bei dem persönlichen Gespräch dem Gegenüber volle Aufmerksamkeit zu geben, ihn und sie anzuschauen, Feedback zu geben. Dann ist die Kommunikation bereichernd für beide Gesprächspartner.
Wer Aufmerksamkeit und Wertschätzung gibt, wird – meistens – Gleiches ernten. Viele Beziehungskrisen könnten vermieden werden, wenn wir anderen Menschen u n d auch uns selbst mehr wertschätzende Aufmerksamkeit schenken würden.

© April 2017 Friederike Matheis


Die fünf universalen Elemente erfolgreichen Wirkens und die ZAWAW-Formel

Die fünf universalen Elemente erfolgreichen Wirkens und die ZAWAW-Formel

Die meisten Menschen wollen sich in ihrer Welt erfolgreich und glücklich fühlen. Wir alle wollen uns – vielleicht von ein paar Ausnahmen abgesehen – in irgend einer Weise als wirksam erleben. Selbstwirksamkeit ist ein wichtiger Aspekt unseres Wohlbefindens, von gesunder innerer Balance. Wirksam sind wir, wenn wir erfahren, dass wir mit unserem Tun etwas – möglichst Positives oder Sinnvolles– bewirkt haben.
Diese Erfahrung von erfolgreich sein basiert auf fünf Grund-Komponenten, die ich hier mit der „Z-A-W-A-W“ – Formel vorstelle. Soviel vorweg: ZAWAW steht für Ziel,Aufmerksamkeit, Wille, Aktion und Wertschätzung. Wie diese Formel genutzt werden kann, will ich gleich verständlich machen. Beginnen wir mit dem Ziel!

Das Ziel

Der erste wesentliche Aspekt der ZAWAW-Formel, also das erste Z steht dafür ein Ziel zu haben. Mit Ziel meine ich nicht einen Traum, eine Sehnsucht oder einen Wunsch, sondern ich meine wirklich ein klar formuliertes Ziel.  Also kein: „Ich würde so gerne einmal nach Paris“ reisen, sondern ein: „Spätestens im Oktober diesen Jahres mache ich eine Städtereise nach Paris“ oder auch: „Morgen erkundige ich mich nach einer günstigen Städtereise nach Paris und ich spare mir bis zum Herbst das nötige Geld zusammen, das ich für eine schöne Woche in Paris brauche.“ Oder: “Ab sofort tue ich alles was nötig ist, um spätestens im Oktober eine herrliche Woche in Paris zu erleben.“

Ein Ziel ist etwas klar determiniertes, du kannst es nachprüfen und feststellen, wenn und wann du es verwirklicht hast. Du formulierst es in der Gegenwartsform, nicht im Futur.  Also sagst du verbindlich mit einer Zeitangabe :“Ich tue ...“ oder  „Ich bin...“ . Nicht: „Ich möchte tun“ oder „Ich werde (irgendwann) tun …“! Nein! Dein Ziel ist für dich unumstößlich. Du fühlst bereits jetzt Vorfreude und die Gewissheit, wie es ist, wenn du dein Ziel erreicht hast. Du erkundigst dich jetzt, ab sofort, gleich morgen oder besser noch heute Abend im Internet nach den Paris-Reisemöglichkeiten. Auch wenn du das erforderliche Geld noch nicht hast!

Das Ziel folgt nicht dem Geld, sondern das nötige Geld folgt deinem Ziel!

Das ist ein sehr wichtiger Aspekt. Oft höre ich Leute sagen:“Wenn ich erst einmal genug Geld habe, dann mache ich …“ Sie machen es nie. Das nötige Geld, die nötige Kraft, die nötige Zeit, die nötigen Bedingungen folgen dem Ziel, nicht umgekehrt.

Du holst dir erst einmal alle nötigen Informationen ein, du tust alles was nötig ist, um zu erfahren, wann du zu welchem Preis für wie lange nach Paris reisen kannst und was du dort kennen lernen willst. Paris – und zwar terminiert – noch in diesem Jahr, noch bis spätestens Oktober, ist dein Ziel.  Oder Rom oder New York. Oder ein Tango-Kurs oder eine neue Kamera oder eine Weiterbildungsmaßnahme oder ein neuer Job. Oder eine neue Wohnung. Was immer dein Ziel ist, wenn es nicht total unrealistisch ist und wenn die Vorstellung von der Zielerreichung in dir Freude auslöst, ein Lächeln auf dein Gesicht zaubert, dann formuliere es in der Gegenwartsform und mit einem Zeitpunkt versehen.

Ich nehme gerne das Beispiel „Paris“ , weil ich selbst Jahre lang davon träumte einmal mit dem richtigen Reisebegleiter! nach Paris zu fahren. Es dauerte viele Jahre bis der richtige Partner, mein heutiger Ehemann, in mein Leben kam und da machte ich sehr schnell aus dem alten Traum das Ziel und formulierte: Zu meinem 54. Geburtstag fliege ich mit meinem Liebsten nach Paris. Und so geschah es und wir erlebten eine unvergessliche Woche in Paris.

 „Realistisch“ ist übrigens Vieles mehr als du glaubst! Wer hätte noch vor 100 Jahren geglaubt, dass Menschen wirklich einen Fuß auf dem Mond setzen würden?

Dass etwas schwierig oder anspruchsvoll oder eine große Herausforderung ist, heißt nicht dass es unrealistisch ist. Es ist ein Ziel, für das es sich lohnt sich anzustrengen.

Die Aufmerksamkeit

Dann geschieht etwas scheinbar „Wunder-“bares. Wenn dein Ziel klar und fest steht und wenn es sich für dich beglückend und machbar zugleich anfühlt, wenn du es aussprichst, dann fokussiert es Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit ist die zweite Komponente erfolgreichen Wirkens. Aufmerksamkeit ist eine kreative Energie. Sie bewirkt im Gehirn, im Neokortex, eine fokussierte Wahrnehmung. Alles worauf wir unsere Aufmerksamkeit fokussieren nehmen wir intensiver wahr. Aufmerksamkeit erschafft so subjektive Realität. Menschen, die ihre Aufmerksamkeit nicht fokussieren können, die sich leicht von zu vielen Dingen ablenken lassen, haben es schwerer mit dem erfolgreich sein. Die Fähigkeit seine Aufmerksamkeit fokussieren zu können kann man trainieren. Das ist die gute Botschaft. Wer seine Aufmerksamkeit nicht gut fokussieren kann, ist sehr leicht abzulenken und so verliert er sein Ziel aus den Augen.

Die Aufmerksamkeit selbstbestimmt fokussieren zu können hält die Energie auf das Ziel ausgerichtet. Wenn du auf dein Ziel fokussiert bleibst bemerkst du scheinbar zufällig hilfreiche Gelegenheiten, die dich in der Verfolgung deines Zieles unterstützen. So lernst du zum Beispiel „zufällig“ die richtigen Leute kennen, ein wichtiges Buch fällt dir im Buchladen ins Auge, das etwas mit deinem Ziel zu tun hat, oder du bekommst eine Gelegenheit etwas zu tun, vielleicht einen Vortrag zu halten, oder etwas Ähnliches, das dich deinem Ziel näher bringt.

Um einmal bei meinem Paris-Beispiel zu bleiben: du berichtest vielleicht in einer Gesprächsrunde von deiner Absicht spätestens im Oktober eine Woche in Paris verbringen zu wollen und jemand sagt: Oh, ich habe da eine sehr nette Freundin, die hat ein kleines Appartement, das sie manchmal günstig vermietet. Oder du erfährst von einer günstigen Mitfahrgelegenheit.

Weil und solange deine Aufmerksamkeit auf das Thema deines Zieles gerichtet ist, ist deine Wahrnehmung in Bezug darauf geschärft. Die Fokussierung der Aufmerksamkeit ist ein neuronaler Vorgang im Gehirn, den man sogar mit den heutigen bildgebenden Verfahren beobachten kann. Also nutze dieses Wissen:  Aufmerksamkeit ist eine subjektiv realisierende Energie im Gehirn! Dein Bewusstsein ist in Bezug auf dein Ziel wach und präsent. Dein Ziel „Paris“ bleibt so lange in deinem Denken und Wahrnehmen fixiert, bis du das Ziel erreicht hast. Wenn du jemand bist, der sich leicht ablenken lässt, dann übe deine Aufmerksamkeit zu fokussieren. Da gibt es einfache und leicht zu trainierende Übungsmethoden. Hol deine Aufmerksamkeit immer wieder auf dein Ziel zurück, lass es nicht aus den Augen! Bis du es erreicht hast.

Der Wille

Der dritte Buchstabe der ZAWAW-Formel, das erste „W“, steht für den Willen.

Du merkst schon: um die Aufmerksamkeit fokussiert auf deinem Ziel zu halten, brauchst du die Fähigkeit deine Aufmerksamkeit zu lenken. Du brauchst dafür einen starken Willen. Du brauchst manchmal ganz schön viel Eigensinn. Da gibt es immer Dinge und Leute, die einen vom eigenen Ziel abbringen wollen, die deine Aufmerksamkeit auf ihre eigenen Absichten ablenken wollen. Da kommen solche Bemerkungen wie: „Och, was willst du denn in Paris? Prag oder die Ostsee sind doch auch ganz schön und viel billiger.“ Oder: „Warum willst du denn bloß jetzt noch so eine Ausbildung machen? Da musst du ja wieder mindestens zwei Jahre pauken und Geld verdienst du in der Zeit auch nicht! …“ oder: „Sei doch nicht so spießig! Warum willst du denn schon wieder in die Bibliothek gehen und pauken. Geh doch lieber mit mir Kaffee trinken und klönen!“

Oder im Internet surfen ist doch auch so interessant – da vergisst man leicht, was man eigentlich vorhatte. An Ablenkungsmöglichkeiten von unserer Zielverfolgung mangelt es nie. Du brauchst einen starken Willen, wenn du deine Aufmerksamkeit auf deine eigenen Ziele fokussieren willst. Wenn du selbstbestimmt handeln und leben willst. Wenn du nicht ein anonymes „man“, sondern ein „Ich-Selbst“ sein willst. Du brauchst deinen Willen, deine Entscheidungskraft über deine Aufmerksamkeit. Eigenwilligkeit wird von anderen manchmal als „Sturheit“ oder sogar als „Egoismus“ kritisiert. Aber wenn du keinen starken Willen hast, um deine Aufmerksamkeit zu lenken, hast du auch keine Disziplin und Beharrlichkeit, um auf deinem Weg zum Ziel zu bleiben. Dein Wille lenkt deine Aufmerksamkeit auf dein Ziel.

 Aktion!

Die ersten drei Buchstaben der ZAWAW-Formel betreffen „innere Faktoren“, geistige Voraussetzungen, die sich im Gehirn abspielen. Dein Ziel denkst du dir und du stellst es dir mit deiner Fantasie vor und du fühlst dich damit gut und stark. Dein Wille, deine Entschiedenheit mit der du deine Aufmerksamkeit fokussierst, spielt sich ebenfalls noch im Gehirn ab. Aber jetzt wirst du praktisch. Jetzt überträgt sich der fokussierte Wille auf deine Motorik! Aktion ist angesagt. Genug gedacht und gefühlt: jetzt geht es los. Du krempelst die Ärmel hoch und tust was du entschieden hast. Aktion – beweg dich! Schreib dir eine Checkliste, welche Informationen du bist wann brauchst, welche Unterstützung du von wem bekommen kannst, mit wem du welche Fragen klären willst, wie du die nötigen finanziellen Mittel für dein Ziel zusammen bekommst.

Ein terminiertes Ziel, das du wirklich erreichen willst, auf das du deine Aufmerksamkeit fokussierst, ruft dich zur Aktion. Kein Platz für Prokrastination: jetzt ist der Moment der Macht. Jetzt legst du los. Jetzt tust du was getan werden muss, um deinem Ziel Schritt für Schritt näher zu kommen.

Es ist wie beim Pfeil-und-Bogenschießen auf die runde Scheibe: dort hinten in der Mitte ist dein Ziel. Du richtest deine konzentrierte Aufmerksamkeit genau auf diesen Punkt. Du willst, dass dein Pfeil dort, genau dort hinfliegt. Jetzt hebst du den Bogen, jetzt spannst du die Muskeln an, jetzt zielst du, richtest ganz ruhig den Pfeil aus, spannst noch etwas mehr an und dann lässt du los. Der Pfeil fliegt ins Ziel. Lass ihn fliegen. Er wird ankommen.

Wertschätzung

Das letzte „W“ steht für Wertschätzung, für die Anerkennung des Erreichten. Schau hin wo dein Pfeil angekommen ist. Schau, ob und wie du dein Ziel erreicht hast. Feiere dich „in Paris“. Beglückwünsche und freue dich, dass du es geschafft hast. Genieße es am Ziel angekommen zu sein. Mach eine Pause und freue dich da zu sein. Mach eine Party, wenn du deine anspruchsvolle Weiterbildung geschafft hast und belohne dich für die Zielerreichung!

Viele Menschen, die unter dem Sog oder dem Druck von Leistungsdenken leiden, die immerzu effektiv und dynamisch sein müssen, die immer mehr haben und besser sein müssen, können Erreichtes nicht wertschätzen. Sie mögen nicht innehalten und sich über das Ergebnis freuen. Geschafft, also weiter zur nächsten Hürde. Keine Zeit für Wertschätzung. Schneller, weiter, höher, ohne Innehalten. So bringen sich Menschen selbst um den Erfolg. Denn ohne Wertschätzung kein Erfolg! Mangelnde Wertschätzung kreiert Unzufriedenheit und das Gefühl von Getriebensein. Wozu Ziele verfolgen, wenn dir das Ankommen nichts bedeutet? Feiere, wenn du am Ziel angekommen bist! Wertschätze dein Ergebnis.

Wichtig ist die Wertschätzung auch dann, wenn der Pfeil nicht genau im Ziel, sondern ein wenig daneben gelandet ist. Auch das gilt es zu wertschätzen. Wieso ist da gelandet? Woran hat es gelegen? Wie könnte ich es das nächste Mal anders oder so machen, dass ich zielgenauer handele? Gut: ich habe es getan, ich habe eine Erfahrung gemacht, ich habe etwas verwirklicht und ich habe etwas dazu gelernt. Ich habe ein Ziel verfolgt und etwas erreicht. Irgendwer hat einmal gesagt: wenn du auf den Mond zielst und schießt daneben, dann landest du bei den Sternen. Und das ist doch auch ein schönes Ergebnis.

© März 2017 Friederike Matheis


Der Dauertiger


Der Dauertiger
vom Stress im Alltag zu mehr Gelassenheit und Life-in-Balance

„Schatz, tut mir Leid, es wird heute wieder später. Ich muss unbedingt bis morgen diese Kundenpräsentation fertigmachen. Gib den Kindern einen Gutenachtkuss von mir und sag, dass ich sie lieb habe.“

Kommt Ihnen das bekannt vor? Da ist das immer wieder schlechte Gewissen gegenüber der Familie einerseits und der berufliche Existenzdruck andererseits, der uns manchmal schier zu zerreißen droht. Geld für die Familie zu verdienen ist ja auch „für die Familie“, beruhigen wir uns. Akquisitions-, Konkurrenz- und Kostendruck immerfort und dabei immerzu das in der Tiefe grummelnde Unwohlgefühl, unseren Verpflichtungen, unseren Menschen und Aufgaben – ganz zu schweigen von den eigenen Bedürfnissen – nicht genügend Zeit und Aufmerksamkeit zu widmen. Jedenfalls nicht so, wie es sein sollte. Ein innerer Kritiker oder Antreiber in unserem „Kopfkino“ scheint allzeit bereit zu sein, uns zu bescheinigen, dass wir nicht schnell genug, nicht gut genug, nicht effektiv genug sind.
Nicht selten führen diese selbstkritischen Überzeugungen, ebenso wie die Erwartungen von Vorgesetzten oder anderen Menschen aus dem Umfeld, zu einer unerfüllbar-perfektionistischen Anspruchs-Haltung an uns selbst, zu einem fortdauernden Gefühl von Nichtgenügen und schließlich zum Burnout.

Was ist eigentlich der berüchtigte Burnout?

Auf die Frage: „Na, und wie geht es Dir?“ hören wir sehr oft die Antwort: „Ooohhh, ich bin sooo im Stress! Kurz vor’m Burnout!“ Tatsächlich steht das Wort „Burnout“ mit dem Begriff von andauerndem Stress in engem Zusammenhang. Aber Stress an sich ist nicht schlecht oder schädlich. In den neurowissenschaftlichen Erläuterungen zu Stress und Burnout wird zum Verständnis von Laien immer wieder das „Tiger“-Beispiel herangezogen.
Das Gehirn des Menschen ist evolutionsbedingt so ausgestattet, dass wir in akuten Gefahrensituationen blitzschnell lebenserhaltend reagieren können. Wenn wir zum Beispiel einem hungrigen Tiger in freier Wildbahn begegnen, dann ist Stress die lebenserhaltende, biologische Reaktion unseres Gehirns auf die akute Gefahr. In Millisekundengeschwindigkeit werden alle Energien von der Erfüllung längerfristiger Aktivitäten im Körper abgezogen und der Handhabung der gegenwärtigen Gefahr in Form des bedrohlichen Tigers zur Verfügung gestellt. Wenn dieses gefährliche Tier plötzlich vor dir steht, ist dieser Stress lebenserhaltend:Verteidigung oder Flucht sind angesagt!
Und zwar ohne lange nachzudenken, was wir jetzt wohl am besten tun könnten. Alles geht rasend schnell. Das Herz-Kreislaufsystem wird beeinflusst, das Herz schlägt schneller und der Atem beschleunigt sich. Und das alles, um vermehrt Sauerstoff ins Blut und das Blut in die Muskeln von Armen und Beinen zu transportieren. Um zu kämpfen oder wegzulaufen, und zwar so schnell wie möglich. Im mittleren Gehirn werden gleichzeitig die Hormone Adrenalin und Cortisol wirksam, die dafür sorgen, dass die „Alarmglocke“ der Angst geläutet wird. Es verringert sich unter anderem die Funktion des Immunsystems, sodass man anfälliger für Infekte wird. Das Verdauungssystem wird gestört und auch das endokrine System, das unter anderem zuständig für unsere Fortpflanzungsorgane ist, wird unterdrückt. „Sie haben keine Zeit für Sex, wenn Sie dem Tiger entkommen wollen“, schreibt der Neuropsychologe Rick Hanson in seinem Buch „Das gelassene Gehirn eines Buddha“ (Originaltitel: Stress-Proof Your Brain, Arbor Verlag, Freiburg 2013).

Dieser zeitlich begrenzte „Tiger-Stress“ ist nicht schlecht und nicht schädlich. Aber wenn der Stress noch zunimmt und sich verstetigt – wenn der Tiger zum „Dauertiger“ wird, dann wird der entstehende Dis-Stress ungesund. Dauernder Alltags-Stress ohne absehbares Ende ist in unserer westlichen Leistungsgesellschaft, noch dazu unter dem Einfluss der alles beschleunigenden Digitalisierung zum Normalzustand geworden.
Der Tiger hat sich in die Vorgärten unserer Alltagswelt mit Multitasking und Mehrfachbelastungen eingeschlichen und lauert auf die Gelegenheit des Burnouts.
Dieser sogenannte Burnout zeigt sich in verschiedensten Formen der Erschöpfung, in Depressionen oder anderen Krankheiten. Dadurch leiden auch unsere sozialen Beziehungen. Der Dauertiger macht uns schließlich auch zum unempatischen Egoisten.

Wie entmachten wir den Dauertiger?

Was tun? Auf diese Frage gibt es keine einfache, schnelle Antwort, kein allgemeingültiges Patentrezept. Vielmehr erfordert diese Krise das Beschreiten eines neuen individuellen Weges, einer neuen Haltung. Das neue Verhalten gegenüber den Stressoren, die sich sowohl persönlichkeits- wie auch situationsbedingt auf unsere Gesundheit auswirken, will geplant und in optimaler Weise von professionellen Helfern begleitet sein. Je nach der Schwere der Belastung ist therapeutische Hilfe oder die Unterstützung eines oder einer erfahrenen Coach angezeigt.

Die Vier-Brunnenbecken-Balance

Der erste Schritt ist aber immer die Identifizierung der persönlichen Stressauslöser. Hierbei kann das Analyse-Modell der Vier-Brunnenbecken-Balance® helfen.

In allen vier Lebensbrunnen-Bereichen kann eine Dysbalance entstehen, die wie eine Kettenreaktion die anderen Bereiche des Lebensbrunnens ansteckt.
Alle Bereiche unseres Lebens brauchen eine gesunde Balance. Wenn wir von dem bekannten Begriff „Work-Life-Balance“ sprechen, hört sich das ein wenig nach zwei gegensätzlichen Polen an, auf der einen Seite die Arbeit, auf der anderen „das Leben“. In Wahrheit können Krisen in unterschiedlichen Lebenbereichen ihre Ursache haben und verlangen nach unserer Aufmerksamkeit und fürsorglichen Zuwendung.
Bei den meisten arbeitenden Menschen, ganz besonders bei alleinerziehenden, arbeitenden Eltern, kommen besonders die Bereiche „Persönlichkeitsentwicklung „ und „Gesundheit, Ernährung, Sport“ zu kurz.

Achtsamkeit und Aufmerksamkeit

Hilfreich ist das Erlernen von „Achtsamkeit“ als einer trainierbaren Methode der Wahrnehmung. Zu lernen, negative Bewertungen sich selbst gegenüber und gegenüber den jeweiligen Stressoren loszulassen, kann man relativ leicht üben. Die Übung der Achtsamkeit und fokussierter Aufmerksamkeit führt zu einer neuen Lebenshaltung und daraus zu neuen Entscheidungen. Es wird dann leichter zu manchen Dingen, die einem nicht guttun „Nein“ zu sagen. Wahrnehmungs- und Atemtechniken können nach und nach so in den Alltag integriert werden, dass der Trainee mehr und mehr zu sich selbst findet, gelassener wird und mehr und mehr selbst entscheidet. Und dann tut, was er selbst entschieden hat.
So verscheucht schließlich mehr Selbstbestimmung den Dauertiger aus dem Vorgarten und macht Platz für mehr Lebensfreude.

©2017 Friederike Matheis


Joey will wachsen – und Du?

Joey will wachsen – und Du?

Als ich es kaufte, war es ein mageres Pflänzchen in einem kleinen schwarzen Plastiktopf.
Vorausschauend und sorgsam pflanzte ich es in einen etwas größeren Tontopf um und stellte es ans Küchenfenster. Ich gab der putzigen kleinen Pflanze den Namen „Joey“.
Bald wuchs Joey kräftig und bekam dicke, glänzende, dunkelgrüne Blätter.

Dann kam die Krise

Doch eines Tages, als Joey schon mächtig gewachsen war und eine Küchengardine überflüssig gemacht hatte, begann er zu kränkeln. Einige Blätter wurden erst gelb, dann bräunlich und schließlich fielen sie ab. Joey befand sich sichtbar in einer Krise.
Ich versuchte es mit Duschen in der Badewanne und Pflanzendünger. Das half kurzfristig.
Dann entdeckte ich einen Riss im Tontopf. Wenig später sprengten die in dem zu eng gewordenen Gefäß heimlich gequälten Wurzeln die alte Behausung. Joey wollte wachsen!

Wenn die Persönlichkeit wachsen will

Sie ahnen es schon: Joey, der wirklich in unserer Küche lebt, steht als Paradigma für das
in uns, was wachsen will und krank wird, wenn wir es nicht wachsen lassen: unsere Persönlichkeit. So ist es oft eine Krise im Leben, ein Streit am Arbeitsplatz, eine Kündigung, eine Krankheit oder eine Ehekrise, die Menschen dazu zwingt sich weiter zu entwickeln.
Die alten, zu eng gewordenen Rahmenbedingungen, die alten Denkmuster und Verhaltensweisen passen nicht mehr. Und so verlangt unser Selbst, unsere tiefe innere Weisheit in uns nach Wachstum, nach neuem Raum, sowohl geistig wie auch ganz konkret in der alltäglichen Lebensgestaltung.

Fragen

Plötzlich tauchen Fragen auf wie diese: soll ich so weitermachen? Ist das noch richtig für mich? Was fehlt mir? Wie will ich das in mir verborgene Potenzial weiter entfalten? Was könnte, was will ich Anderes oder Neues tun, um meine Begabungen, meine Fähigkeiten und meine persönliche Kreativität zum Ausdruck zu bringen? Was habe ich vielleicht allzu lang unterdrückt, mir nicht erlaubt zu leben? Was will ich verwirklichen? Was will ich selbstbestimmt und bewusst in die Welt bringen? Wofür ist jetzt die Zeit gekommen? Wohin will ich wachsen?
Das ist der beste Zeitpunkt, um ein beyourself!-Training zu machen und bewusst die Weichen in die Zukunft neu stellen. Um zu leben, was in mir ist und zum Ausdruck kommen will.

Wachstum ist ansteckend

Joey hat inzwischen einen noch größeren Topf bekommen und wächst weiter.
Und dann beobachtete ich etwas ganz Erstaunliches: neben Joey hatte ich etwas achtlos ein Plastiktöpfchen mit einer kleinen Basilikumpflanze abgestellt. Eine von der Art, die man im Supermarkt kaufen kann, um Tomaten mit Mozzarella oder Spagetti mit selbst gehackter Pesto aus frischen Basilikumblättern zuzubereiten, und die selten länger halten als zwei oder drei Wochen. Nicht so die kleine Nachbarin von Joey!

Seit er im neuen großen Tongehäuse seinen nächsten Wachstumsschub vollzogen hatte, machte es ihm die kleine Basilikumpflanze nach. Plötzlich war sie hochgeschossen und streckte lange Blütenarme aus, wie um es Joey gleich zu tun! So etwas hatte ich noch nie gesehen. Und, welch ein Wunder, kam dann noch ein Dritter im Bunde dazu!
Ich konnte es kaum fassen: weil ich es nicht fertiggebracht hatte, die alte Amarillis vom letzten Weihnachten wegzuwerfen, obwohl sie längst keine attraktiven Blüten mehr hatte und ihre grünen Blattzungen schlaff nach rechts und links aufs Fensterbrett herabhingen, hatte auch diese Pflanze sich von Joey und der Basilikumpflanze zum Weiterleben und Wachsen entschieden. Und hatte noch einmal ganz neu zugelegt!

Gemeinsam Wachsen

Nun schlängeln sich die langen, dunkelgrünen Blattzungen zwischen den kräftigen Armen von Joey nach oben, fast wie in einer einer zärtlichen Umarmung.
Und so scheint mir dieses Trio auf unserer Küchenfensterbank auch die Botschaft zu senden: wir unterstützen uns gegenseitig, wir wachsen gemeinsam! Und dabei bleiben wir trotzdem eine jede von uns Ich-Selbst.
Das ist mit 20, 30, 40, 50 und auch mit 60 + Jahren so: wir brauchen uns selbst, unser persönliches Wachstum, unsere ganz eigene Entwicklung und wir brauchen auch unser lebendiges soziales Umfeld, unsere Familie, unsere Freunde, Menschen, mit denen wir uns austauschen und uns gegenseitig bereichern. Gemeinsam zu wachsen – und auch gemeinsam älter zu werden – ist leichter, lustiger und schöner.

Gemeinsam älter werden – neue Fragen

Seit etlichen Jahren habe ich als Kommunikationstrainerin und Persönlichkeits-Coach nun schon viele Menschen allen Alters begleitet und bin dabei selbst immer weiter gewachsen und – uuups: älter geworden! Seit meinem sechzigsten Geburtstag komme ich mir nun manches Mal ein wenig wie die Amarillis vor. Auch wenn ich auf ein gepflegtes Äußeres achte – die schönste Blüte meines äußeren Aussehens habe ich hinter mir gelassen. Und so habe auch ich mir – als Frau und als Coach – neue Fragen gestellt. Nicht zuletzt auch inspiriert von den Themen älterer Coachees, die sich gerne einer älteren Coach anvertrauen.
Fragen wie: wie lange und in welcher Form werde ich meine Arbeit als Coach und Seminar-Unternehmerin noch mit Freude und Inspiration ausüben?
Wie könnte ich mein in vielen Lebensjahren gewonnenes Erfahrungswissen am besten weitergeben? Wie werde ich im Alter leben?
Solche Fragen beginnen schon ab 55+ und werden nach 60+ zunehmend wichtig. Die Kinder sind flügge, das Empty-Nest-Syndrom hat schon wehgetan, die Antifaltencremes stehen im Bad griffbereit, eine neue Langsamkeit und bestenfalls Gelassenheit will Raum haben.Und wir werden wählerischer, ob wir Einladungen zu gesellschaftlichen Veranstaltungen annehmen oder nicht. Man beginnt über Wohn- und Lebensformen im Alter nachzudenken. Wir, meine Freundinnen, einige Freunde, mein Mann und ich, haben uns zusammengesetzt und darüber Gedanken und Ideen miteinander ausgetauscht.
Wir haben über Arbeitsformen und über Wohnprokjekte im Alter von 60+ diskutiert und gemeinsame Entscheidungen getroffen.
Ich glaube, dass Wachstum und auch lebenswert älter werden, sich immer weiter bewusst zu entwickeln und gemeinsam Neues lernen ein Projekt „bis zum letzten Atemzug“ sein kann. Ein Projekt, dem wir gemeinsam mit Freunden und Gleichgesinnten immer neue Formen geben können. So wie Joey, Basilikum und Amarillis.

© Friederike Luise Matheis, Hamburg 2017